Das folgende Vorgehen beschreibt ein methodisches Studienkonzept, das als fachliche Ausarbeitung dient. Es handelt sich ausdrücklich nicht um eine durchgeführte oder gestartete Erhebung.
Vorgesehen ist eine registerbasierte, geschichtete Zufallsstichprobe der Schweizer Wohnbevölkerung ab 18 Jahren.
Die Bruttostichprobe wäre mit 100 000 bis 150 000 Personen zu planen, um theoretisch 20 000 bis 30 000 auswertbare Fälle zu erreichen; für seltene Delikte würde eine höhere Nettofallzahl angestrebt.
Als Erhebungsmodus wäre primär eine anonyme Onlinebefragung vorgesehen, basierend auf postalischen Einladungen mit personalisiertem Zugangscode, ergänzt durch einen optionalen Papierfragebogen für weniger digitalaffine Gruppen.
Die Anonymität würde durch eine vollständige Trennung von Kontakt und Antwortdaten sowie transparente Information gemäss revidiertem Datenschutzgesetz gewährleistet.
Ein seriöser Absender, eine neutrale Studienbezeichnung und nicht an Antworten gekoppelte Incentives (Teilnahmeanreize) würden die Teilnahmebereitschaft unterstützen.
Die Rekrutierung wäre mehrstufig mit Erinnerungsschreiben sowie kognitiven und technischen Pretests zur Sicherstellung von Verständlichkeit und Funktionalität.
Indirekte Befragungstechniken wie Crosswise Modelle wurden geprüft, sind jedoch für dieses Konzept nicht vorgesehen, da für die geplanten Regressionsanalysen individuelle Deliktindikatoren erforderlich wären.
Die praktische Durchführbarkeit einer Stichprobe dieser Größenordnung wäre mit einem entsprechenden organisatorischen und finanziellen Aufwand verbunden, bleibt jedoch grundsätzlich realisierbar. Zugleich würde die große Fallzahl ein flexibles Fundament für die Einbettung zusätzlicher Forschungsthemen bieten und damit die wissenschaftliche Nutzbarkeit der Erhebung deutlich erweitern.
• Einfach geschichtete Zufallsstichprobe nach Region (Grossregionen/Kantone), Geschlecht, Altersgruppen.
• Ziel: ausreichende Fälle in allen zentralen Subgruppen (z. B. junge Männer, urbane Regionen).
• Für 20 000–30 000 auswertbare Fälle bei ca. 20 % Rücklauf: mindestens 100 000–150 000 Einladungen.
• Für Analysen seltener Delikte (z. B. schwere Gewalt, Sexualdelikte, Raub) ist eine Netto Stichprobe von 30 000+ sinnvoll.
• Postalische Einladung mit individuellem Zugangscode und URL.
• E‑Mail Einladungen nur bei verlässlichen Adressbeständen (z. B. registrierte Teilnehmende).
• Papierfragebogen für Personen ohne oder mit geringer Online Affinität (ältere, ländliche Regionen).
• Ziel: Abdeckung verbessern.
• Kontaktdaten in separater, verschlüsselter Datenbank.
• Antwortdaten nur mit zufälliger ID, keine Rückführbarkeit auf Personen.
• Zum Zweck der Studie (wissenschaftliche Forschung, Prävention, keine Strafverfolgung).
• Zur Speicherdauer und zum Löschkonzept.
• Es gibt ausschliesslich aggregierte Auswertung.
• Klare, verständliche Einwilligungserklärung vor Beginn der Befragung.
• Hinweis auf freiwillige Teilnahme und jederzeitige Abbruchmöglichkeit.
• Explizit: keine individuelle Weitergabe an Polizei/Justiz, keine Rückschlüsse auf Einzelpersonen.
• Betonung der wissenschaftlichen Zielsetzung und des gesellschaftlichen Nutzens.
Verlosung von Gutscheinen oder kleinen Geldbeträgen.
• Incentive nicht an bestimmte Antworten koppeln.
• Teilnahmeanreiz, aber keine Verzerrung der Antworttendenzen.
• mit neutralem, seriösem Layout.
• mit personalisiertem Zugangscode.
• mit klarer, knapper Erklärung der Studie.
• eher allgemein: „Studie zu Alltagserfahrungen und Regelverstössen in der Schweiz“
• im Text transparent: es geht auch um Straftaten und Regelverstösse.
• zeitlich versetzt (z. B. nach 10–14 Tagen, nach 4 Wochen).
• kurz, wertschätzend, ohne Druck („Ihre Teilnahme ist wichtig, aber freiwillig“).
• Verständnis der Items.
• Belastung durch sensible Fragen.
• Vertrauen in Anonymität und technische Umgebung.
• Anwendbarkeit (Desktop, Tablet, Smartphone).
• Ladezeiten, Stabilität.
• Funktion der Zugangscodes, Speicherroutinen.
• Es gibt keine stabilen Prävalenzschätzungen.
• Mehrfaktorielle statitische Verfahren können nicht sinnvoll angewendet werden.
• Stichprobengrößen von ca. 20 000–70 000 Personen.
Crosswise Modelle erhöhen die Ehrlichkeit bei sehr sensiblen Delikten, liefern jedoch ausschließlich Prävalenzschätzungen auf Gruppenebene.
Da für die geplanten Regressionsanalysen individuelle Deliktindikatoren erforderlich sind, wird diese Methode in dem vorliegenden Studienkonzept nicht verwendet. Sie bleibt als theoretische Ergänzung aufgeführt, um die methodische Einbettung zu verdeutlichen.
Die geplante Stichprobengröße von mindestens 20.000 Befragungen bei rund 100.000 postalischen Anschreibungen stellt einen erheblichen organisatorischen und finanziellen Aufwand dar. Dieser Aufwand entsteht primär durch Druck, Versand, Rücklaufmanagement und die technische Infrastruktur der Datenerhebung. Die Durchführung bleibt dennoch realistisch, sofern entsprechende Ressourcen bereitgestellt werden. Die Fragebogenform minimiert die Belastung der Teilnehmenden, ermöglicht eine effiziente Ausschöpfung und gewährleistet eine ethisch unbedenkliche Umsetzung. Datenschutz, Pseudonymisierung (Ersetzung personenbezogener Angaben durch einen nicht rückverfolgbaren Code) und ein klar strukturierter Rekrutierungsprozess sichern die methodische Qualität und die praktische Durchführbarkeit der Studie.
Durch die große Fallzahl entsteht zudem ein flexibles Fundament für die Integration zusätzlicher Forschungsthemen. Die Datenerhebung kann modular erweitert werden, ohne die Teilnehmenden wesentlich stärker zu belasten. Dies erhöht die wissenschaftliche Nutzbarkeit der Stichprobe, steigert die statistische Power und macht das Projekt auch für Kooperationspartner oder potenzielle Drittmittelgeber attraktiv. Die Stichprobe bietet damit nicht nur die Grundlage für das Kernmodell, sondern auch die Möglichkeit, weitere theoretisch oder praktisch relevante Variablen einzubetten und die Effizienz der eingesetzten Ressourcen zu maximieren.
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